
Vertrauensarbeitszeit verzichtet auf Zeiterfassung oder polemisch ausgedrückt auf Kontrolle der Anwesenheitszeit und setzt auf Ergebnis bzw. Leistung der Beschäftigten. Der Mitarbeiter bzw. die Mitarbeiterin ist allein oder gemeinsam im Team für den Ausgleich seiner bzw. ihrer Arbeitszeit verantwortlich. Dies bedeutet, dass es - trotz Ergebnisorientierung - noch eine vereinbarte Arbeitszeit gibt, die die MitarbeiterInnen nach individuellen und sachlichen Gesichtspunkten frei bestimmen können. Somit gibt es kein zu spät kommen mehr und während der Anwesenheitszeit am Arbeitsplatz kann nun auch genüßlich die Zeitung gelesen werden, da es keine Arbeitszeit ist. Vertrauensarbeitszeit bedeutet für die MitarbeiterInnen, dass sie ihre Aufgaben und die dazu benötigte Zeit selbst organisieren. MitarbeiterInnen können nur dann für ihren Zeitausgleich verantwortlich gemacht werden, wenn sie direkten Einfluss auf ihren Arbeitsprozess haben.
Vorraussetzung für dieses Modell ist Vertrauen und zwar auf der ArbeitnehmerInnenseite als auch bei den Führungskräften. Weitere kulturelle Eigenschaften wie ein offenes Kommunikationsverhalten und hohe Eigenverantwortung der Beschäftigten und der Führung sind unabdingbar.
Die VerfechterInnen der Vertrauensarbeitszeit sehen Zeiterfassung als falsches Instrument, da es nur den ZEITVERBRAUCH misst und die Illusion erweckt, Zeit ist gleichzusetzen mit Leistung. Durch Zeiterfassung werden MitarbeiterInnen motiviert, so die KritikerInnen der Zeiterfassung, über die vertraglich vereinbarte Zeit zu arbeiten, um sich durch Mehrarbeit Freizeitansprüche und Überstundenzuschläge "zu verdienen".
Auch die VertreterInnen dieser Richtung stimmen dem Argument zu, dass Zeitverbrauchsdenken der falsche Ansatz für ein modernes ZeitManagement ist. Sie argumentieren, dass ZEITGEBRAUCHSDENKEN nur dann funktionieren kann, wenn alle Zeitinformationsdaten genutzt werden, um die knappe Ressource Arbeitskraft kapazitätsorientiert und kostengünstig einzusetzen. Konkret heißt dies, das beispielsweise nicht der Mitarbeiter mit vielen Überstunden eingeplant wird, sondern nach Analyse der Arbeitszeitkonten die Mitarbeiterin, die noch Minusstunden auf ihrem Konto hat. Das kann auch bedeuten, dass in Zeiten schwacher Auslastung, die MitarbeiterInnen nach Hause geschickt werden können, wenn nichts zu tun ist. Auch die computergestüzte Zeiterfassung möchte durch einen Wandel im Unternehmen Verantwortungsbewußtsein, Leistungs- und Ergebnisorientierung fördern.
Ein wichtiges Argument für die computergestützte Zeiterfassung ist die Menge an Daten, die durch Arbeitszeitkorridore, Saldengrenzen, Jahresarbeitszeiten, Ausgleichszeiträume entstehen. Eine manuelle Erfassung ist sehr kosten- und zeitintensiv, wenn die Beschäftigten mit individuell erstellten Excel-Werkzeuge ihre Arbeitszeit, Fehlzeit und Urlaub nachhalten würden. Außerdem wäre eine Auswertung und Bewertung dieser Daten im Sinne eines ressourcenorientierten ZeitManagements nicht möglich.
Die Einführung von Vertrauensarbeitszeit oder computergestützter Zeiterfassung hat unterschiedliche Auswirkung auf die Organisation des Arbeitszeitmanagements und den Ablauf des ZeitProjektmanagements.
Istt die Entscheidung für ein ZeitTechniksystem gefallen, muss im Laufe des Projekts eine Wahl für die Positiv- bzw. Negativ-Zeiterfassung erfolgen.
Mit der Positiv-Zeiterfassung werden alle Kommen- und Gehenbuchungen minutengenau erfasst. Im Gegensatz dazu wird bei der Negativ-Zeiterfassung auf eine Kommen- und Gehenbuchung verzichtet und davon ausgegangen, dass nach dem geplanten Schichtplan gearbeitet wird und die Sollzeit der Istzeit entspricht. Die Negativ-Zeiterfassung macht dann Sinn, wenn starre Arbeitszeiten den Arbeitsrahmen vorgeben und es keine oder nur wenige Abweichungen von Istzeit und Sollzeit gibt, wie z. B. bei Schichtarbeit. Gäbe es viele Abweichungen, z. B. bei Mehrarbeit oder Zuschlägen müssten diese Tatbestände mit manuell erstellten Belegen korrigiert werden.
Durch die Positiv-Zeiterfassung erhält das ZeitManagement und auch die Beschäftigten viele wichtige Daten über
Diese Informationen sind bei der Negativerfassung nicht vorhanden, sondern können nur mit zeitlicher Verzögerung vom Vortag zur Verfügung gestellt werden.