Die kleine Schlafschule

Jürgen Zulley, Barbara Knab

Die kleine Schlafschule - Wege zum guten Schlaf

Mabuse-Verlag, Frankfurt am Main, 2016 (www.mabuse-verlag.de)

ISBN 978-3-86321-284-1, 14,95 Euro

 

Rezension

Was Schlaf ist, lesen wir im ersten Kapitel. Pro Doppelseite ein Thema, kurze Sätze, prägnant geschrieben, auf das Wesentliche konzentriert, schnell und gut zu lesen. Alle Aspekte werden kurz angerissen, so dass man die Zusammenhänge versteht, die Auswirkungen erkennt. Wir verstehen, was gesunder Schlaf ist und wann Schlafstörungen vorliegen oder drohen. Wir lernen so die Sichtweise der Wissenschaftler und Schlaftherapeuten kennen – uns soll mit sachlichen Informationen geholfen werden, falls wir keinen gesunden Schlaf finden. Dazu müssen wir zu allererst erkennen, wie gesunder Schlaf aussieht und dass er aus einem häufigen Wechsel von Tiefschlaf und REM-Schlaf („Rapid Eye Movement“, flacher Traumschlaf) und mehreren zumeist unbemerkten Wachphasen besteht.

 

 

 

Kurze Zwischenbemerkung: Herzlichen Dank all denen, die uns zum 15. Geburtstag gratuliert haben - das hat uns sehr gefreut!

 

Schlaf und Rhythmen erleben – der Inhalt des zweiten Kapitels. Diverse Rhythmen bestimmen den Schlaf. Jedem Rhythmus wird im Buch ein Abschnitt gewidmet. Die Wissenschaftler verweisen darauf, dass auch subjektive Aspekte zu betrachten sind, wenn man den Schlaf verstehen will. Das Konzept der „Inneren Uhr“ wird erläutert. Das Kapitel endet mit der Frage nach dem Sinn des Schlafens – doch auch dieses Buch kann ihn nicht endgültig benennen; ohne Schlaf können wir nicht leben, aber die letzte endgültige Antwort bleiben auch diese beiden Autoren schuldig, denn so weit ist die Wissenschaft noch nicht.

 

In unserem Alltag ist guter Schlaf oft Mangelware, denn der Schlaf reagiert auf alle denkbaren Störungen. Geräusche, Temperatur, Licht und andere Strahlung sowie das Essen, Trinken und Rauchen können das Einschlafen verhindern, uns in jeder Schlafphase wecken und insgesamt die Schlafqualität negativ beeinflussen. Wir können aber auch durch das Schaffen guter Rahmenbedingungen unseren Schlaf verbessern. Die Auswahl des richtigen Bettes ist nach Aussagen der Autoren ebenso wichtig wie die Frage, wer neben uns schläft und wie man es mit der Liebe hält. Entspannter Sex kann die Schlafqualität verbessern; die Autoren weisen aber auch darauf hin, dass sexuelle Regungen während des Schlafes ganz normal sind und nichts mit derlei Gefühlen zu tun haben. Und schließlich stellen die Autoren fest, dass Krankheiten guten Schlaf verhindern können, aber guter Schlaf auch dazu beitragen kann, Krankheiten zu heilen – ein Teufelskreis?

Mit dem nächsten Kapitel widmen sich die Autoren den vielfältigen Schlafstörungen. Einerseits weisen sie darauf hin, dass manches, was man als Schlafstörung ansieht, ganz normal ist, beispielsweise das Aufwachen in der Nacht oder im Alter zurückgehende Schlafdauer. Andererseits zeigen sie, woran man echte Schlafstörungen erkennt und was sie verursachen kann. Zu den Verursachern gehört natürlich auch die Nacht- und Schichtarbeit, die es weitgehend zu vermeiden gilt. Doch auch die Autoren wissen, dass das leichter gesagt als getan ist. Am Ende des Kapitels gibt es einen kleinen Selbsttest, anhand dessen man seine eigene Schlafqualität einschätzen kann. Dieser Test ist jedoch nur oberflächlich und ersetzt nicht die professionelle Diagnose durch einen Arzt.

 

Wer keine bedenklichen Schlafstörungen hat, die ärztlich behandelt werden müssen, dem bietet das folgende Kapitel zusammenfassend die überwiegend bereits in vorherigen Kapiteln genannten Maßnahmen zur „Schlafhygiene“, mit denen man seinen Schlaf verbessern kann. Eigentlich gehen alle Tipps in dieselbe Richtung: Der „Inneren Uhr“, den Körpersignalen und -rhythmen folgen und mit ihnen in einer Regelmäßigkeit leben, von der es nur selten Ausnahmen gibt. Im Besonderen empfehlen die Autoren das „Alertness Management“, welches in den „Wachschulen“ gelernt werden kann (und in ihrem Buch „Wach und fit“ beschrieben wird). Mehr zu der Wachschule erfährt man im letzten Kapitel, nachdem am Ende dieses Kapitels das Schlaftagebuch als grundlegende Technik der Selbsthilfe empfohlen und beschrieben wurde.

Das vorletzte Kapitel beschreibt spezielle Schlafprobleme. Hier geht es um überwiegend krankhafte Schlafstörungen, zu denen die Autoren meist auf die notwendige ärztliche Betreuung verweisen. Den Leser/innen, die sich wegen ihrer Schlafprobleme Sorgen machen, kann dieses Kapitel eine Einordnung bieten. Und wer derlei Probleme nicht hat, wundert sich vielleicht, welche Arten von Schlafstörungen es gibt. Dass rund zehn Prozent der Erwachsenen unter Schlafstörungen leiden, leitet das letzte Kapitel ein, in dem es um professionelle Hilfe geht. Diese sollte in Anspruch genommen werden, wenn Eigentherapie nicht ausreicht, und steigert sich vom Hausarzt über Fachärzte bis zu einem Schlafmedizinischen Zentrum. Die Autoren beschreiben, was dort geschieht, so dass man Berührungsängste abbauen kann. Nach kurzen Informationen über den Wert von Schlafmitteln und die Möglichkeiten von Psychotherapie schließt das Buch mit dem Hinweis auf die von dem Autor Jürgen Zulley im Jahr 2001 gegründete Schlafschule. Hier kann man beispielsweise in Wochenendseminaren alles über Schlaf lernen und mit anderen Teilnehmenden diskutieren und die in diesem Buch empfohlenen Methoden ausprobieren, so dass man hinterher meist mehr als ein normaler Arzt über das Thema weiß.

 

 

Das Buch bietet einen schnellen Ritt durch alle Aspekte, die mit dem Schlaf zusammenhängen. Durch die Aufteilung in viele kurze Abschnitte, die jeweils auf zwei Druckseiten passen, liest es sich sehr leicht und schnell. Denjenigen Leser/innen, die Schlafprobleme haben oder zumindest meinen, dass sie nicht gut schlafen, geben die Autoren immer die notwendigen Hinweise, wo man weiterlesen und -lernen kann, was man für sich selbst tun kann oder wann man welche professionelle Hilfe in Anspruch nehmen soll. Wer zu einzelnen Aspekten vertiefendes Wissen bekommen möchte, ist mit der kleinen Literaturauswahl am Ende des Buches gut bedient. Also alles in allem ein empfehlenswertes kleines Büchlein für einen Einstieg in den Ausstieg aus den eigenen Schlafstörungen.

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