Wach und fit

Jürgen Zulley, Barbara Knab

Wach und fit

Mehr Energie, Leistungsfähigkeit und Ausgeglichenheit

Mabuse-Verlag, Frankfurt am Main, 2009 (www.mabuse-verlag.de)

ISBN 978-3-940529-33-6, 12,90 Euro

 

Rezension

 

Im vergangenen Jahr rezensierten wir "Die kleine Schlafschule" von denselben Autor/innen. Das Buch beschäftigte sich mit dem Schlafen - dieses Buch behandelt die Wachphasen des menschlichen Tagesablaufs. Älter und grundlegend ist das Buch "Unsere innere Uhr" der beiden Autor/innen, welches wir vor einigen Jahren ebenfalls positiv bewerteten. Alle drei Bücher sollte man unbedingt gelesen und verinnerlicht haben!

Das Taschenbuch, mit 157 Seiten - wie auch die anderen beiden - angenehm übersichtlich gehalten, kommt in zwei Teilen daher: Dem "Wissen" im ersten Teil folgt das "Handeln" im zweiten Teil. Die Tipps und Hinweise im zweiten Teil sollte jede/r Leser/in in seinem Leben beachten, um besser und gesünder zu leben. 

Wissen

Im ersten Kapitel erfahren wir, dass und warum es völlig normal ist, wach und fit zu sein; und ebenso normal ist es, dass man das nicht viele Stunden am Stück sein kann. Die wichtigsten Begriffe werden eingeführt und erläutert. Den Leser/innen wird verdeutlicht, dass es nicht nur die beiden Extreme "wach sein" und "schlafen" gibt. Zwischen diesen Extremen leben wir tagtäglich. 

Der zentrale Begriff ist die Vigilanz, ein Fachbegriff für das, was wir mit "hellwach" bezeichnen würden. Vigilanz erreichen wir nur zu relativ wenigen Zeiten des Tages. Eine Ursache sind biologische Rhythmen, die unseren Körper und jede seiner Funktionen steuern. Dies wird in knapper und anschaulich dargestellter Form im zweiten Kapitel dargelegt. Einfache Grafiken zeigen die unterschiedlichen Rhythmen. Ausführlicher ist diese Thematik in dem Buch "Unsere innere Uhr" zu lesen.

Das dritte Kapitel widmet sich dem Schlaf. Hier ist es im Wesentlichen eine Zusammenfassung des Inhalts des Buches "Die kleine Schlafschule". Auf nette Weise und anschaulich wird den Leser/innen das "Nachtleben des Gehirns" nahe gebracht. An mehreren Beispielen wird erklärt, warum Schlaf lebensnotwendig ist und Schlafentzug dumm und müde macht.

Im vierten und letzten "Wissens"-Kapitel geht es um den Einfluss von Ernährung und Medikamenten auf das Wach-Schlaf-Verhalten des Menschen. Die Wirkungen von Koffein, Nikotin und anderen Drogen werden wissenschaftlich fundiert, doch mit einfachen Worten erläutert. Deutlich wird zudem herausgearbeitet, wie wichtig regelmäßige und gesundheitsorientierte Ernährung für ein gesundes Schlaf-Wach-Verhältnis ist. Doch ebenso wichtig ist das Genießen des Essens zusammen mit netten Menschen, weil es das Wohlbefinden befördert und fit macht.

Handeln

Mit aller gebotenen Vorsicht leiten die Autor/innen den zweiten Teil des Buches ein: Kein Tipp, keine Empfehlung kann für alle Leser/innen gleichermaßen gelten - dafür sind die Menschen zu unterschiedlich, wie bereits im ersten Teil des Buches dargelegt wurde. Sodann werden die Grundlagen für Wachheit und Fitness als Handlungsoptionen präsentiert. Anhand einer ganzen Seite voller Fragen soll man sich immer wieder selbst testen, ob man evtl. müde oder schläfrig ist. Wer dabei feststellt, dass er aktuell nicht wach und fit ist, sollte eine Pause einlegen, ein Nickerchen machen oder auch eine Tasse Tee oder Kaffee trinken.

Noch einmal wird herausgestellt, dass der gesunde Nachtschlaf die nötige Basis für Wachheit am Tag ist. In einem kurzen Exkurs gehen die Autor/innen auf die spezielle Situation von Jugendlichen ein, die - entgegen ihrem Biorhythmus - viel zu früh zur Schule müssen. In einem weiteren Exkurs stellen sie dar, dass man bei jeglicher Krankheit nicht wach und fit sein kann.

Als Grundlage für Stress-Vorbeugung werden Entspannungstechniken und das Genießen genannt. Negativer Stress entsteht u. a. durch Arbeitssucht; woran man diese erkennt, legen die Autor/innen dar. Anschließend verdeutlichen sie, wie man Burnout, das "Ausgebranntsein" erkennt und was dagegen zu tun ist. 

Die Non-stop-Gesellschaft steht im Fokus des nächsten Kapitels. Die Autor/innen stehen der nachweislich zunehmenden Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit natürlich kritisch gegenüber. Sie geben Hinweise, wie man sich als betroffene/r Arbeitnehmer/in trotz Wechselschicht-u und Nachtarbeit etwas wacher und fitter halten kann. Dabei wenden sie sich auch an die von Jet-Lag betroffenen Passagiere und das Flugpersonal. Im Zentrum der Ausführungen stehen allerdings die vielen Millionen Menschen, die in den alltäglichen Schichtsystemen arbeiten müssen. Ihnen werden Tipps gegeben, wie sie sich rund um und während der Schicht- und Nachtarbeit einigermaßen gesund verhalten und ernähren können. Zusätzlich sprechen die Autor/innen die speziellen ungesunden Arbeitsbedingungen bei den "Profis der Straße" und in den Bereitschaftsdiensten an. 

Im nächsten Kapitel werden wir als Individuum in unserem täglichen Privatleben angesprochen. Die Autor/innen weisen darauf hin, dass es neben den Möglichkeiten, das Berufsleben erträglicher und gesünder zu gestalten, auch darauf ankommt, dass man seine Freizeit und seine sonstigen privaten Tätigkeiten "im Griff" hat. 

Ausführlich betrachten sie zunächst die Wachheit und Fitness beim Autofahren, da jede Missachtung der grundlegenden Regeln gefährlich bis tödlich sein kann. Anschließend geben sie Hinweise, wie man in seinem normalen Leben Vigilanz erreichen kann: Selektive Aufmerksamkeit und das Managen der eigenen Aufgaben nach psychobiologischen Grundsätzen sind die Basis dafür. 

Erneut betonen die Autor/innen die hohe Bedeutung der Vigilanz im schulischen Leben, sowohl für Schüler/innen als auch für die Lehrer/innen. Abschließend weisen sie darauf hin, dass es auch für Menschen und Zeiten außerhalb des zeitlich festgelegten Tagesablaufs notwendig ist, den Tagen und Wochen eine Struktur zu geben. Dies gilt für Hausfrauen ebenso wie für Rentner und Arbeitslose. 

(Leider verfallen sie hier in die überkommene Geschlechterrolle, indem sie die Hausmänner und Renterinnen nicht erwähnen.)

Im letzten Kapitel geht es dann wieder um den Berufsalltag, diesmal werden die Führungskräfte direkt angesprochen. Sie sollen dafür sorgen, dass die Arbeitsplätze ihrer Mitarbeiter/innen hell, großzügig gestaltet und möglichst ruhig sind. Sie sollen dafür sorgen, dass nicht der Eindruck entsteht, dass man durch pausenloses und zu langes Arbeiten einen guten Eindruck hinterlässt. Durch ihr eigenes entsprechendes Verhalten sollen sie Vorbilder im positiven Sinne sein, orientiert an Kants kategorischem Imperativ. 

Fazit

Obwohl bereits 2009 veröffentlicht, ist dieses Buch auch heute noch aktuell und lesenswert. In der Kürze und der damit einher gehenden Oberflächlichkeit in dem ersten Teil bildet es den grundsätzlichen Wissensstand ausreichend genau ab. Zu einigen Aspekten hat es neue Forschungsergebnisse gegeben, so z. B. zur Schichtarbeit (siehe Artikel "Zukunft der Schichtarbeit" und "Lerchen und Eulen"), deren Erkenntnisse in einer Neuauflage dieses Buches unbedingt berücksichtigt werden sollten und auch zu leicht veränderten Handlungsempfehlungen im zweiten Teil führen dürften. Doch ist dies ein Buch für Einsteiger in die Thematik, also für jemanden, der sich (endlich einmal ...) damit auseinander setzt, warum sie/er nicht so wach und fit ist, wie sie/er sein könnte oder müsste. Und in dieser Situation ist es zunächst nur wichtig, sich einige der Tipps zu Herzen zu nehmen und an sich selbst zu arbeiten, um ein gesünderes Leben zu führen. Der wichtigste Hinweis in diesem Buch ist dann vielleicht der, dass durch Müdigkeit und Schläfrigkeit nicht nur das eigene Wohlbefinden und die eigenen Leistungen leiden, sondern vor allem die Selbstwahrnehmung, dass man etwas in seinem Leben falsch macht.  

 

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