Vorgezogener Ruhestand

Informationen für Betriebs- und Aufsichtsräte

Vorgezogener Ruhestand:

Altersteilzeit und Lebensarbeitszeitkonten

 

Ziel der hier vorgestellten Broschüre der Hans-Böckler-Stiftung ist es, einen Überblick über Möglichkeiten des vorgezogenen Ruhestandes zu geben.

 

Neben den Darstellungen tariflicher und betrieblicher Regelungen zu den bekannten Modellen zum vorgezogenen Ruhestand befassen sich die Autor/innen auch mit betriebswirtschaftlichen Aspekten, die für den Wirtschaftsausschuss bzw. den Aufsichtsrat beim Thema Übergang in den Ruhestand von Interesse sind. 

Inhalt

  1. Der demographische Wandel als übergreifendes Thema
  2. Tarifvertragliche Regelungen
  3. Betriebliche Regelungen zum vorgezogenen Ruhestand
    1. Motivationen und Ziele der Betriebsparteien
    2. Regelungen zur Altersteilzeit
    3. Betriebswirtschaftliche Aspekte zur Altersteilzeit
    4. Insolvenzschutz
    5. Zeitwertkonten – Lebensarbeitszeitkonten
  4. Fazit 

Basis

Das Archiv Betriebliche Vereinbarungen der Hans-Böckler-Stiftung hat derzeit ca. 14.000 Vereinbarungen zu zahlreichen und thematisch sehr unterschiedlichen Themen gesammelt. Aus diesem Fundus wurden die für diese Broschüre geeigneten Vereinbarungen ausgewählt. Zudem haben die Tarifverträge, wie sie von IG Metall, IG BCE und ver di in den letzten Jahren abgeschlossen wurden, aufgrund des Tarifvorrangs (§ 77 BetrVG) eine entscheidende Bedeutung. sodass sie ebenfalls in die Auswertung einbezogen wurden.

 

Einleitung

 

Bis vor wenigen Jahren wurde für einen vorgezogenen Ruhestand häufig die Altersteilzeit gewählt, meist im Blockmodell. Der Staat förderte dies mehrere Jahre lang mit Zuschüssen, verlangte aber auch vom Arbeitgeber, dass er für die frei werdenden Stellen Auszubildende oder Arbeitslose einstellte. Den staatlichen Zuschuss hierfür gibt es seit 2009 nicht mehr; in Tarifverträgen und betrieblichen Vereinbarungen wird Altersteilzeit jedoch weiterhin vereinbart: mit finanzieller Beteiligung des Arbeitgebers, aber ohne staatliche Zuschüsse. Inzwischen rücken andere Instrumente wie z. B. Lebensarbeitszeitkonten stärker in den Vordergrund Häufig werden Arbeitszeitkonten jedoch ausschließlich von den Beschäftigten „gefüllt“ und finanziert.

Arbeitnehmer

Ausgewählte Risiken der Altersteilzeit für die Beschäftigten beschreiben die Autor/innen in der Broschüre. Sie erwähnen die teilweise unsichere Situation beim Insolvenzschutz. Zudem weisen sie darauf hin, dass Arbeitnehmer/innen bei der heutzutage häufiger anzutreffende Vorruhestandsregelung, die nur den gesetzlichen Mindestanforderungen genügt, mit finanziellen Einbußen während der Altersteilzeit und auch anschließend im Rentenalter rechnen müssen. Sie betonen, dass deswegen der Entgeltaspekt sowohl im Rahmen von Tarifverträgen als auch von Betriebsvereinbarungen ein bedeutendes Thema sein muss. 

 

 

Die in jüngerer Zeit häufiger anzutreffenden Lebensarbeitszeitkonten werden als alternatives Modell für einen vorgezogenen Ruhestand diskutiert. Die Autor/innen bedauern allerdings, dass bei diesem Modell die gesparten Zeiten häufig ausschließlich von den Arbeitnehmer/innen selbst finanziert werden; Zuschüsse von den Unternehmen sind nur selten in den vorliegenden Vereinbarungen geregelt.

 

Die Autor/innen weisen darauf hin, dass die Chancen auf eine Entlastung im Alter und eine günstige Übergangsregelung ungleich verteilt sind: Beschäftigte in Kleinbetrieben haben wegen meist fehlender kollektivrechtlicher Vereinbarungen geringere Möglichkeiten zur Gestaltung des Übergangs als Beschäftigte in Großbetrieben. Tarifvertragliche und betriebliche Regelungen sind in den Branchen sehr unterschiedlich verbreitet. Für viele Beschäftigte gibt es weder eine tarifvertragliche noch eine betriebliche Regelung.

Unternehmen

Die Autor/innen beleuchten zudem die betriebswirtschaftlichen Aspekte zur Altersteilzeit. Sie weisen auf die Kostenbelastung durch den gesetzlich vorgeschriebenen Insolvenzschutz hin. Andererseits verdeutlichen sie, dass die Altersteilzeit für Unternehmen die Möglichkeit bietet, Bilanzpolitik zu betreiben, was ebenfalls eher die Großbetriebe nutzen können. Dies wird an einem Beispiel anschaulich dargestellt.

 

Fazit

Die Autor/innen richten sich an die Tarifpartner und plädieren für Tarifverträge als Grundlage für betriebliche Regelungen zum vorgezogenen Ruhestand. Sie stellen fest, dass Altersteilzeitregelungen bzw. Lebensarbeitszeitkonten nur in denjenigen Branchen und Betrieben zur Wahl stehen, in denen entsprechende Vereinbarungen bzw. Tarifverträge mit Öffnungsklauseln abgeschlossen wurden. Und nur in tarifvertraglichen Regelungen einzelner Branchen seien die Arbeitgeber an den Kosten beteiligt. Die staatliche Beteiligung wird ihrer Ansicht nach nicht wachsen.

 

Dem Modell der Altersteilzeit bescheinigen die Autor/innen keine Zukunft. Sie halten dies für ein eher teures Instrument, das nur für ausgewählte Notfälle und besondere Personengruppen künftig bedeutend sein kann. 

 

Nach Bedarf flexibel und finanziell abgesichert in Rente zu gehen, halten die Autor/innen für ein Thema, das in den nächsten Jahren noch sehr viel stärker auf politischer Ebene diskutiert werden wird. Sie verweisen in dem Zusammenhang auf die Regelung im Koalitionsvertrag, nach der Menschen, die 45 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt haben, derzeit mit dem vollendeten 63. Lebensjahr ohne Abschläge in Rente gehen können. Doch auch zusammen mit den weiteren gesetzlichen Bestrebungen stellen sie als Fazit fest: "Für den flexiblen Übergang in die Rente sind das noch keine Lösungen."

Weitere Informationen

Ausführlich wurden die im Archiv Betriebliche Vereinbarungen gesammelten Betriebs- und Dienstvereinbarungen zu Lebensarbeitszeit- und Langzeitkonten von Böker/Lindecke ausgewertet und in der folgenden Broschüre veröffentlicht.

 

Böker, Karl-Hermann; Lindecke, Christiane:

Flexible Arbeitszeiten - Langzeitkonten (2. Auflage)

Analyse und Handlungsempfehlungen

Reihe: Betriebs- und Dienstvereinbarungen

Hans-Böckler-Stiftung

Broschiert, 158 Seiten, inkl. CD-ROM

Bund-Verlag, Frankfurt am Main, 2013 

ISBN 978-3-7663-6215-5

Über die Autoren

  • Dr. Sebastian Campagna, Referatsleiter Wirtschaft II in der Abteilung Mitbestimmungsförderung der Hans-Böckler-Stiftung.
  • Dr. Manuela Maschke, Diplom-Volkswirtin, Politikwissenschaftlerin, leitet das Archiv Betriebliche Vereinbarungen in der Hans-Böckler-Stiftung
  • Hans Riegel, Mitarbeiter in der Forschungs- und Beratungsstelle für betriebliche Arbeitnehmerfragen (forba) in Berlin
  • Dr. Dietmar Röhricht, Dipl.-Kfm., Partner in der Forschungs- und Beratungsstelle für betriebliche Arbeitnehmerfragen (forba) in Berlin

 

Fakten

Copyright 2015 by Hans-Böckler-Stiftung

Redaktion: Dr. Manuela Maschke, Hans-Böckler-Stiftung

Hans-Böckler-Str. 39, 40476 Düsseldorf

Kontakt: 0211/7778-167, betriebsvereinbarung@boeckler.de

Produktion: Setzkasten GmbH, Düsseldorf

Stand: Dezember 2015

Online-Publikation, download unter:

www.boeckler.de/betriebsvereinbarungen

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

TEMPI Gesellschaft für ganzheitliche Arbeitszeitberatung mbH

Karl-Hermann Böker

Hartlager Weg 61a

33604 Bielefeld


Fon: 05 21 - 45 36 18 1

Mobil: 01 78 - 17 30 75 7

Fax: 05 21 - 45 32 04 1

E-Mail: buero@tempi.de