Time is honey - Vom klugen Umgang mit der Zeit

»Zeit kann man nicht managen, man kann sie nur leben.« Karlheinz A. Geißler

 

256 Seiten, oekom verlag München, 2015

ISBN-13: 978-3-86581-706-8

 

Karlheinz A. Geißler und sein Sohn Jonas Geißler haben gemeinsam ein Buch geschrieben. Der Sohn tritt in die Fußstapfen des berühmten Vaters, setzt jedoch neue Akzente und will sich als Zeitberater profilieren. Dieses Buch soll dabei helfen. Was davon zu halten ist, soll diese Rezension aufzeigen. 

Werbetext

Lange schien es so, als gäbe es ein einfaches Mittel gegen Zeitnot: Zeitmanagement hieß (und heißt) das neue Allheilmittel. Ratgeber wurden geschrieben, Seminare zum Zeitmanagement angeboten, mit dem Zeit-Coach war sogar ein neuer Berufszweig entstanden. Doch allein der Begriff "Management" lässt tief blicken, versucht man die Ökonomisierung der Zeit doch durch eine weitere Ökonomisierung zu "reparieren". Die Zeitforscher und -berater Karlheinz A. und Jonas Geißler räumen mit diesem Mythos nun auf: "Zeit kann man nicht sparen, nicht managen, nicht verlieren. Man kann mit der Zeit nur eines machen: sie leben.

"Wie können wir verschiedene zeitliche Anforderungen koordinieren? Wie wird man mit dem Stress des Alltags fertig? "Time is honey" setzt der herrschenden "Zeit-ist-Geld"-Logik eine andere Sicht auf das Phänomen Zeit entgegen. Getreu dem Motto "Zeit gibt es nur im Plural" macht das Buch Lust, die Vielzahl der Zeitqualitäten zu entdecken, und gibt wichtige Impulse zum Weiterdenken, Handeln und Entspannen. Am Ende ist klar: Zeit ist nicht unsere Widersacherin, die es zu überlisten gilt, sie ist unsere Freundin, wenn wir nur bereit sind, uns auf sie einzulassen. 

Rezension

Die Kapitel des Buches weisen eine gemeinsame Struktur auf, die zunächst den Vater, dann den Sohn zu Worte kommen lässt. Jedes Kapitel besteht aus drei Teilen: Im ersten Teil darf der Vater das Wissenswerte zum jeweiligen Thema beitragen. Im zweiten Teil, überschrieben mit „Was nun?“, versuchen Vater und Sohn gemeinsam, die zumeist hochtrabenden, weltfremden, philosophischen Ausführungen auf den Boden der Tatsachen zurückzubringen, mit der Praxis zu konfrontieren. Im dritten Teil „Was tun?“ darf dann der Sohn allein den Leser/innen die Rezepte, an denen sie sich orientieren sollten, oder auch die Fragen, die sie für sich beantworten sollten, um seine Zeit besser zu leben, mit auf den Weg zu geben.

„Es ist an der Zeit“ lautet der Titel des Vorworts. Mit philosophischen Gedanken zum Begriff der Zeit und zu unserem üblichen Erleben der Zeit – die wir angeblich nicht haben – beginnt das Buch. Die Autoren grenzen sich hier und später vehement gegen „Zeitmanagement“ ab, das sie als den falschen Weg bezeichnen – und damit zugleich ihre Form der „Zeitberatung“ einbringen. Ihnen geht es um den Zeitwohlstand und die Eigenzeiten, Zeitzufriedenheit und Lust an der Zeit, was sie in den Fokus rücken wollen. 

„Zeit leben, nicht managen“ ist ein Interview mit Karlheinz A. Geißler tituliert. Das Gespräch befasst sich mit den Grenzen, den Widersprüchen und den nicht einzuhaltenden und falschen Versprechen des Zeitmanagements. Die Aussagen des Interviewten sind zugespitzt, provozieren jede/n, die/der sich bereits auf die Wege der Zeitmanager begeben haben. Dies soll vermutlich für die weiteren Ausführungen in diesem Buch – und für den eigenen Beratungsansatz – den Weg bereiten. 

Kapitel 1 „Wasser für die Fische, Zeit für die Menschen“. Was ist eigentlich Zeit, wird hier gefragt. Wir wissen nicht, was Zeit ist, doch der Autor führt historisch, kulturell und philosophisch aus, was wir „Zeit“ nennen. Er lässt zudem den Physiker Harald Lesch zu Wort kommen, der die naturwissenschaftliche Betrachtung darstellt. Im Abschnitt „Was nun?“ sollen die Leser/innen die Hintergründe des Zeithandelns erkennen, um es hinterfragen und womöglich verändern zu können. Der Abschnitt „Was tun?“ stellt viele Fragen, mit denen sich die Leser/innen ihre eigenen Bilder von dem, was sie „Zeit“ nennen, verdeutlichen sollen. 

Kapitel 2 „Die Uhr ist nicht die Zeit“. Ausführlich legen die Autoren dar, dass die Uhr lediglich eine Anzeige ist. Die Zeit ist jedoch etwas ganz Anderes und hat mit der Uhr im Grunde genommen nichts zu tun. Sie führen die Unterscheidung zwischen „Naturzeit“ und „Uhrzeit“ ein. Auf vielfältige Weise werden Unterschiede ausgeführt, teilweise vielleicht etwas zu banal oder lediglich auf Wortspielen basierend. Als Leser/in bekommt man schon ein wenig das Gefühl, ziemlich dumm zu sein, wenn man sich an Uhrzeiten, Terminen, Verabredungen etc. orientiert. Ob das der Sinn der Ausführungen ist? Im „Was nun?“ wiederholt sich Vieles, wenig Neues kommt hinzu. Und beim „Was tun?“: Noch einmal das schlechte Gewissen bei jedem Blick auf die Uhr. Hier ist der Punkt erreicht, an dem ich gern aufgehört, dieses Buch weiterzulesen, doch für die Rezension musste ich ja bis zum Ende durchhalten.

Kapitel 3 „Die Zeitmuster Rhythmus und Takt“. Der Rhythmus ist die Naturzeit, der Takt die Uhrzeit. In diesem Kapitel geht es wie im vorherigen Kapitel weiter: Die böse Uhrzeit vertaktet unser Leben und verbietet es uns, nach unserer Naturzeit zu leben, Zeitwohlstand zu bekommen und glücklich zu sein. „Der Takt ist ein totes Zeitmuster“, heißt es – wer nach der Uhrzeit lebt, ist demnach schon fast tot. Es kommt noch schlimmer, denn auf den Takt folgt die „postmoderne Gleichzeitigkeit“, die uns nicht nur noch weiter von der Natur(zeit) entfernt, sondern zudem völlig überfordert. Tja, „Was nun?“ Die modernen Erkenntnisse der Chronobiologie bestätigen die Aussagen, dass wir wieder mehr Rhythmus in unser tägliches Leben einbringen müssen, weniger nach dem Takt der Uhr leben sollen, denn das macht bekanntermaßen krank und unzufrieden. Also: „Was tun?“ Rhythmen in das Leben bringen, die Zeiten des Körpers beachten, die Naturrhythmen wiederfinden und in das Leben einbauen, sich vom Takt der Uhren befreien! Leider müssen wir aber arbeiten und Geld verdienen…

Kapitel 4 „Vielfältige Zeiten“. Pausen, Warten, Zwischenzeiten der Muße und der Langeweile. Sie sind notwendig, stellen die Autoren dar. Die Autoren beklagen, dass uns die Zwischenzeiten verloren gegangen sind, ihre Bedeutung uns nicht mehr bewusst ist. Sie beschließen das Kapitel mit vielen kleinen Tipps, wie man sich die Zwischenzeiten zurückholen und sie nutzen kann: Den Alltag entzerren, den Wecker abschalten, das Warten positiv sehen usw. – Alles nett zu lesen, doch für die meisten Leser/innen wohl weit entfernt von der Realität des Alltags. Es sind im Wesentlichen keine neuen Empfehlungen, die man hier liest, alles ist weithin bekannt – umso mehr kommt das Gefühl auf, irgendwie falsch zu leben – übrig bleibt der Frust, weil man ja doch nichts ändern kann. Schließlich kommt jedoch mit dem Hinweis auf den Urlaub und auf die kleinen Momente des Lebens, in denen man mal Muße und Langeweile bewusst leben und genießen sollte, die Erkenntnis, ein klein wenig am Leben ändern zu können und ein klein wenig mehr Zeitwohlstand zu erreichen.

Kapitel 5 „Liebe Zeit“. Noch einmal Kritik am Zeitmanagement. Die Alternative der Autoren: das Zeitgeflecht, im Zentrum ihrer Zeitberatung. Zeit leben, nicht Zeit managen, das ist ihre Botschaft. Das Zeitgeflecht besteht aus Aufgabenzeiten, Organisationszeiten, Eigenzeiten, Sozialzeiten, Naturzeiten – alles hängt mit allem zusammen und Jedes kollidiert mit Jedem. Das gilt es sich bewusst zu machen und so viele Kollisionen wie möglich zu vermeiden. So einfach ist das nicht, diese fünf Zeitdimensionen zu erkennen, die Zeitprobleme des täglichen Lebens auf die Kollisionen dieser Zeitdimensionen abzubilden und dann Lösungen zu finden. Deswegen braucht man die Zeitberatung der beiden Autoren dieses Buches.

Im Anhang erläutern sie dann noch einmal, was Zeitberatung ist und was sie leisten kann – für alle, die es bis jetzt noch nicht verstanden haben sollten. 

Übrigens: Als E-Book ist das Buch nicht geeignet, denn die Bilder, farblichen Unterschiede von Texten und weitere Gestaltungselemente gehen beim Schwarz-weiß anzeigenden E-Book-Reader weitgehend verloren. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Peter Spork (Dienstag, 21 Februar 2017 11:51)

    Hallo, mich würde ja interessieren, wie das Buch im Vergleich zu meinem Buch "Wake up!" ist, das an dieser Stelle ja auch schon (recht positiv) besprochen wurde. Dank und Gruß, PS

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